
LK-Präsident und Nationalratsabgeordneter Josef Hechenberger hat innerhalb weniger Wochen bereits zum zweiten Mal öffentlich auf problematische Rabattaktionen im Lebensmitteleinzelhandel hingewiesen.
Zunächst sorgte eine Aktion bei Lidl für Empörung: Deutsche Milch wurde um 69 Cent pro Liter angeboten. Vergangene Woche hielt Hechenberger im Zuge einer Nationalratsdebatte ein Flugblatt von Hofer in die Höhe – beworben wurde darin eine Rabattaktion mit Milch um 63 Cent pro Liter.
„Das sind Ramschpreise"
In seiner Rede vor dem Nationalrat fand Hechenberger deutliche Worte: „Wir reden hier von Schleuderpreisen, die mit Wertschätzung für bäuerliche Arbeit nichts mehr zu tun haben." Ein Liter Milch koste damit teilweise weniger als ein kleines Packerl Kaugummi – das könne niemand ernsthaft als fair bezeichnen.
Für den Tiroler LK-Präsidenten ist klar: Wer zu solchen Preisen wirbt, setzt ein fatales Signal – gegenüber bäuerlichen Familien ebenso wie gegenüber Konsumentinnen und Konsumenten. Milch sei kein gewöhnliches Industrieprodukt, sondern das Ergebnis täglicher Arbeit, hoher Investitionen sowie strenger Qualitäts- und Tierwohlstandards.
Handel reagiert – aber reicht das?
Nach der öffentlichen Kritik reagierte Hofer und verwies auf zeitlich begrenzte Angebote sowie auf die grundsätzliche Zusammenarbeit mit österreichischen Lieferanten. Doch genau hier liegt der Kern des Problems: Einzelne Aktionen mögen kurzfristig Absatz bringen, langfristig untergraben sie jedoch das Preisgefüge und damit die wirtschaftliche Basis bäuerlicher Betriebe. Dauerhafte Billigwerbung prägt das Preisbewusstsein und verschiebt die Wahrnehmung dessen, was Qualität tatsächlich wert ist.
Österreichs Bäuerinnen und Bauern produzieren nach höchsten Standards – stehen im Kühlregal jedoch im direkten Wettbewerb mit günstiger Importware. „Man verlangt höchste Standards – und im selben Atemzug werden bäuerliche Produkte zu Ramschpreisen verramscht. Das geht sich auf Dauer nicht aus", bringt es Hechenberger auf den Punkt.
Gerade in Zeiten geopolitischer Unsicherheiten und fragiler Lieferketten müsse die Eigenversorgung mit hochwertigen Lebensmitteln Priorität haben. Versorgungssicherheit sei keine Selbstverständlichkeit, sondern das Ergebnis einer starken heimischen Landwirtschaft.
Bewusstsein schaffen – jetzt mehr denn je
Wenn bäuerliche Produkte zum Billigstpreis angeboten werden und Konsumentinnen und Konsumenten reflexartig zugreifen, geraten regionale Strukturen unter Druck. Was kurzfristig günstig erscheint, kann langfristig teuer werden – etwa wenn Betriebe aufgeben und die Abhängigkeit vom Ausland steigt.
Gleichzeitig zeigt die jüngste Reaktion des Handels: Öffentlicher Druck wirkt. Klare Worte im Nationalrat und breite Berichterstattung zwingen Unternehmen zumindest zur Stellungnahme.
Es lohnt sich also, die Stimme zu erheben. Denn eines ist klar: Milch ist mehr wert als 63 Cent. Sie steht für Arbeit an 365 Tagen im Jahr, für Verantwortung gegenüber Tier und Umwelt – und für die Versorgungssicherheit unseres Landes.
(Foto: shootandstyle)
Tiroler Bauernbund
Brixner Straße 1
6020 Innsbruck
Wir wollen zeigen, dass die Landwirtschaft ein moderner, selbstbewusster Teil Tirols ist.